Forschungsprämie: eine einfache F&E-Förderung, die viele Unternehmen nicht nutzen

Viele glauben, F&E Förderungen sind nur etwas für Forschungsinstitute. Tatsächlich ist dieses Programm aber für alle Branchen offen.

Marco della Schiava, Juli 2026
Englische Version | Zur Förderung in Deutschland

Forschungsprämie: eine einfache F&E-Förderung, die viele Unternehmen nicht nutzen

Viele glauben, F&E Förderungen sind nur etwas für Forschungsinstitute. Tatsächlich ist dieses Programm aber für alle Branchen offen.

Marco della Schiava, July 2026
Englische Version | Zur Förderung in Deutschland

In unserer Arbeit mit Gründern, Wachstumsunternehmen und KMU begegnet uns immer wieder dieselbe stille Annahme: „Förderung ist nichts für uns, wir forschen ja nicht.” Und fast jedes Mal stellt sich heraus: Doch, das tun sie. Sie nennen es nur nicht so.

Die Forschungsprämie gehört zu den wirkungsvollsten und zugleich am meisten unterschätzten Förderinstrumenten Österreichs. Sie ist kein Wettbewerbszuschuss mit Fristen und begrenzten Budgets. Sie ist kein Kredit. Sie ist im Kern Geld zurück vom Staat für Entwicklungsarbeit, die ein Unternehmen bereits geleistet hat – und die meisten Unternehmen, die dafür infrage kämen, holen es sich nie.

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Was ist die Forschungsprämie
Die Forschungsprämie fördert Forschung und Entwicklung (F&E) über das Steuersystem. Ein Unternehmen, das etwas technisch Neues entwickelt, bekommt einen Teil seiner Entwicklungskosten zurück, als echtes Geld, ausgezahlt über das Finanzamt, unabhängig davon, ob das Unternehmen Gewinn macht.

Dieser letzte Punkt ist entscheidend. Ein Unternehmen in der Verlustphase oder ein junges Startup kann sie genauso erhalten wie ein etabliertes Unternehmen. Sie wird auch dann ausgezahlt, wenn es gar keine Steuer zu verrechnen gibt.

Die wichtigsten Zahlen: Der Staat erstattet pauschal 14 % der förderfähigen F&E-Aufwendungen, bei eigenbetrieblicher Forschung ohne Obergrenze, eine Besonderheit, die sie zu einem der attraktivsten F&E-Anreize Europas macht. Beantragt wird sie nach dem Wirtschaftsjahr über FinanzOnline (Formular E108c), und zwar rückwirkend für bis zu vier Jahre nach Ablauf des betreffenden Wirtschaftsjahres. Bei eigenbetrieblicher Forschung bestätigt ein kostenloses Jahresgutachten der FFG den F&E-Charakter.


Für wen sie gedacht ist
Der Punkt, den die meisten übersehen: Die Forschungsprämie ist technologie- und branchenoffen. Entscheidend ist nicht eure Branche, sondern euer Projekt. Ein Hersteller, der ein leichteres Bauteil entwickelt, ein Softwareunternehmen ohne erprobte Lösung, ein Lebensmittelproduzent, der ein Verfahren neu aufsetzt, die Tür steht jeder Rechtsform und Größe offen.

Der Grund, warum so viele grundsätzlich förderfähige Unternehmen nie einen Antrag stellen, ist ein sprachliches Missverständnis. Das Wort „Forschung” weckt Bilder von Laboren und Doktortiteln. Im Fördersinn bedeutet es aber schlicht: etwas technisch Neues entwickeln, bei dem zu Beginn wirklich unklar war, ob und wie es gelingen würde.


Was “etwas Neues entwickeln” bedeutet
Routine, kleinere Anpassungen und der bloße Einsatz bestehender Lösungen sind nicht förderfähig. Die Beurteilung folgt der international anerkannten Frascati-Definition von F&E und kommt auf drei Fragen hinaus:

(1) Ist es neu? Habt ihr etwas entwickelt, das es so vorher nicht gab, oder eine bestehende Lösung über den Stand der Technik hinaus weitergebracht? „Neu für uns” reicht nicht.

(2) War es technisch ungewiss? War zu Beginn wirklich unklar, ob und wie ihr es technisch lösen könnt, gab es ein echtes Risiko zu scheitern? Das ist das entscheidende Kriterium. Wenn der Erfolg nie infrage stand und es nur eine Frage von Aufwand und Zeit war, liegt in der Regel keine förderfähige F&E vor. Die Ungewissheit muss technisch sein, nicht wirtschaftlich.

(3) War es systematisch? Seid ihr planvoll und nachvollziehbar vorgegangen? Das erfordert keinen formalen Projektplan – nur ein klares Ziel und ein nachvollziehbares Vorgehen.

Die mittlere Frage ist der Kern. Ein anspruchsvolles Projekt ist nicht automatisch ein F&E-Projekt; was der Staat belohnt, ist die Ungewissheit.

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Warum sie zugänglicher ist als die meisten Förderungen
Unternehmen, die klassische Zuschussprogramme kennen, erwarten hier meist das übliche: Ausschreibungsfristen, Wettbewerb um begrenzte Fördertöpfe, Ablehnung, weil das Budget aufgebraucht war. Die Forschungsprämie funktioniert anders: kein Wettbewerb um einen begrenzten Topf, keine feste Antragsrunde. Wer die Voraussetzungen erfüllt, hat einen Anspruch. Und weil sie nach der Arbeit geltend gemacht wird, wettet ihr nicht auf ein Ergebnis, bevor ihr beginnt.

Der anspruchsvolle Teil ist nicht die Bürokratie, es ist die richtige Beschreibung des Projekts. Der häufigste Grund für eine Kürzung oder Ablehnung ist eine Beschreibung, die die technische Ungewissheit für einen Prüfer, der eure Arbeit nicht kennt, nicht sichtbar macht. Genau hier zahlt sich Erfahrung aus.

Sitz in Deutschland? Das dortige Pendant ist die Forschungszulage: gleiche Grundprinzipien, aber andere Sätze und ein anderes Verfahren. Infos dazu in diesem Artikel.


Findet heraus, wo ihr steht
Weil sich die Förderfähigkeit von außen wirklich schwer beurteilen lässt, haben wir ein kleines, kostenloses Tool gebaut, das euch ein erstes Gefühl gibt, ob euer Projekt infrage kommen könnte: ein paar kurze Fragen, eine erste KI-gestützte Einschätzung in wenigen Minuten, ohne Registrierung, ohne Kontaktdaten. Es ist keine verbindliche Bewertung, aber ein ehrlicher erster Filter.

Wenn euer Unternehmen in den letzten Jahren etwas Neues entwickelt hat, ein Produkt, ein Verfahren, eine Software, lohnt sich der Blick. Das Geld ist da. Das meiste davon wird schlicht nicht abgeholt.

Marco della Schiava is the co-founder of Kodex and leads Kodex Capital. His formation was finance and operations, from founding agencies to running the financial architecture of a venture-stage fintech, before crossing into the brands he now funds across music, fashion, art and culture. He also co-leads the fashion brand 9to5.life, which keeps the practice inside the category it serves. Kodex Capital makes value that conventional instruments cannot see legible to the money that runs on them.

At Kodex Capital, we help creative companies turn projects into fundable ones. We assess eligibility, identify the right national, regional and EU instruments for your situation, and support the full application process, from strategy to submission. We are listed as subsidised business consultants at WKO Vienna, BAFA and KMU Digital, and our focus across the DACH region means we know how the creative funding landscape actually works in practice.

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